cads Mitgliederversammlung in Düsseldorf
Das Nachhaltigkeits-Netzwerk der Schuhbranche steht für Expertise, Vertrauen und Sicherheit - cads Vorstand für weitere drei Jahre bestätigt
„Zu cads gibt es keine Alternative! Auf unseren Erfolgen müssen wir weiter aufbauen“, mit diesem Appell eröffnete der Cads Vorsitzende Andreas Tepest (Deichmann) die cads Mitgliederversammlung, die am 10. und 11. Dezember 2025 in Düsseldorf stattgefunden hat. Rund 70 Teilnehmer aus Industrie, Handel und diverser Brancheninstitutionen nutzten die Veranstaltung, um sich über die turnusmäßigen Regularien hinaus mit den neuesten EU-Verordnungen und Regulierungen zu beschäftigen. „Weitblick“ im wahrsten Sinne des Wortes boten die stylishen Räumlichkeiten der Kanzlei Noerr im 17. Stock mit einer grandiosen Aussicht über den Düsseldorfer Medienhafen.
An beiden Tagen wartete die cads Mitgliederversammlung mit einem umfangreichen und anspruchsvollen Programm auf. Namhafte Referenten berichteten über neueste Entwicklungen und kommende Regularien aus EU-Sicht. Wertvolle Tipps für mehr Orientierung im Compliance-Dschungel gab Dr. Arun Kapoor von der Kanzlei Noerr den Teilnehmern mit auf den Weg, während sein Kollege Dr. Ingo Theusinger über den ökonomischen Nutzen und die rechtlichen Grundlagen in Bezug auf die Regulierung von Lieferketten wie dem das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz referierte.
Fest steht: Das Thema Nachhaltigkeit mit seinen vielen Facetten stellt die Schuh- und Lederbranche vor riesige Herausforderungen. Diese Herausforderungen will cads nicht nur bewältigen, sondern sich proaktiv mit Maßnahmen und Vorkehrungen bei Politik und NGOs Gehör schaffen. „Immer wieder neue Gesetze, Ankündigungen und Änderungen sorgen bei den Unternehmen der Branche für Verunsicherung. Hier wollen und können wir Hilfe leisten“, sagt Andreas Tepest und forderte die Teilnehmer auf, sich nicht nur aktiv zu engagieren, sondern auch weitere Unternehmen für cads zu gewinnen. Mehr Öffentlichkeitsarbeit und personelle Verstärkung im juristischen Bereich sollen außerdem dazu beitragen, die Außenwirkung der Initiative zu stärken. Intern gehen die cads Mitglieder, aktuell sind es 78, mit bestem Beispiel und Expertise voran. Dafür stehen unter anderem die Aktivitäten der diversen Arbeitsgruppen, die ihre aktuellen Projekte und Forschungsergebnisse mit Engagement betreiben. In Düsseldorf berichtete unter anderem Dr. Ines Anderie (PFI) über den aktualisierten EU-Beschränkungsvorschlag für PFAS und die gesetzlichen Regelungen in weiteren Ländern. Neueste Erkenntnisse und die nächsten Schritte zur praktischen Anwendung des Product Environmental Footprint (PEF) zeigten Carolin Weidner-Cowalski (Deichmann), Dominic Bergmeister (Deichmann), Dr. Christian Achtel (PFI) und Dr. Johannes Augustin Menges (PFI) auf. Sie setzten sich intensiv auseinander unter anderem mit den „Pain Points“ wie eine diffizile Beschaffung von Daten bei den Lieferanten und den Ergebnissen aus dem kürzlich in Pirmasens stattgefundenen PEF-Workshop zum Thema Umweltbilanzierung von Produkten und Herstellungsprozessen. „Wir müssen uns mit dem PEF auseinandersetzen, aber dürfen uns nicht mit den Textil- und Bekleidungsherstellern über einen Kamm scheren lassen“, forderte Andreas Tepest. Sein Appell an die cads Mitglieder: „Der PEF wird vermutlich nicht vor 2030 kommen, aber wir sollten die nächsten vier Jahre gemeinsam und intensiv zur Vorbereitung nutzen. Ziel ist ein einheitliches Branchenverständnis und bestenfalls die Etablierung eines Branchenstandards.“
Von der Pflicht zur Kür
Das gilt auch für den Digitalen Produktpass (DPP). Einen detaillierten Überblick über die Regulatorik des Digitalen Produktpasses boten Theresa Taller und Alexander König von GS1 Germany. Die Experten zeigten auf, wie GS1 Standards zur Erfüllung der Regulatorik eingesetzt werden könnten, gefolgt von konkreten Handlungsempfehlungen für Unternehmen, die schon jetzt mit der Umsetzung beginnen wollen. Wenngleich mit einer Verpflichtung für Schuhhersteller vorerst nicht zu rechnen sei, werde es bis 2027 eine Vorstudie zu Schuhen geben. Ein delegierter Rechtsakt könnte 2030 folgen, so die Einschätzung der GS1 Experten.
Philip Schmermund (Wortmann) brachte die Teilnehmer auf den neuesten Stand der EU-Verpackungsverordnung PPWR. Die PPWR fordert ab dem 16. August 2026 Konformitätsbewertungen und Dokumentationen gegenüber den Behörden sowie Hinweispflichten auf dem Verpackungsmaterial. Weil das Gesetz unterschiedliche Pflichten für die unterschiedlichen Marktbeteiligten vorsieht, gelte es zunächst festzustellen, welche Rolle der Schuhhersteller einnimmt. Dafür hat die cads Arbeitsgruppe PPWR typische Standardprozesse bei der Fertigung skizziert und entsprechende Rollen zugeordnet. Ziel ist es, ein Handbuch zur rechtssicheren und standardisierten Umsetzung zu veröffentlichen. Unternehmen, die dieses Vorhaben unterstützen möchten, seien herzlich willkommen, so Schmermund.
Den Abschluss der cads Mitgliederversammlung bestritten der designierte HDS/L Hauptgeschäftsführer sowie zukünftige cads Geschäftsführer Torben Schütz und der cads Vorsitzende Andreas Tepest. In ihrem Vortrag zur EU-Abfallrichtlinie (Waste Framework Directive - kurz WFD) erläuterten die Experten, welche Anforderungen auf die Textil- und Schuhbranche zukommen. Die WFD sieht die Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien und Schuhe vor. Derartige EPR-Systeme gibt es bereits für Elektrogeräte, Batterien und Verpackungen. Offen ist die nationale Umsetzung dieser EU-Richtlinie. „Die aktuell diskutierten Konzepte sind nicht ausgereift.“ so Schütz und Tepest. „Wir müssen in dieser Diskussion die Besonderheiten der Schuhbranche herausstellen. Es geht darum, mit geballter Kraft an die Politik heranzutreten und eine für unsere Branche tragbare Lösung zu finden.“ Auch hier sei es wichtig und unabdingbar, Textilien und Schuhe klar voneinander zu trennen.
cads Vorstand und Beirat erweitert - Manfred Junkert verabschiedet
Im Rahmen der cads Mitgliederversammlung wurde der cads Vorstand neu gewählt. Für weitere drei Jahre in ihrem Amt bestätigt wurden der cads Vorsitzende Andreas Tepest und sein Stellvertreter Sven Reimers (Lloyd Lifestyle). Wiedergewählt wurden ebenfalls Markus Nelke (Lupriflex), Christian Ludy (Lowa) und Andreas Burmeister (Wortmann). Neu im Vorstand sind Sandra Gunzinger (Gabor) und Jörg Ertl (Ricosta). Der cads Beirat besteht aus Sonja Arians (Baak), Susanne Diess (Diess Consulting), Karin Kapper (Legero), Olga Wedel (Wortmann) und Carolin Weidner-Cowalski (Deichmann).
In Düsseldorf wurde der noch amtierende cads Geschäftsführer Manfred Junkert offiziell verabschiedet. Andreas Tepest dankte ihm im Namen des cads Vorstands für die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünschte seinem Nachfolger Torben Schütz viel Erfolg.
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Kommender Termin:
Die nächste cads Mitgliederversammlung wird im Rahmen der 069 Connect am 24./25. Juni 2026 in Offenbach stattfinden.

