„Ich bin erstaunt, was die Menschen für Vorurteile gegenüber Leder haben.“

Interview mit Christiane Brunk - Geschäftsführerin Braun Büffel

 

Braun Büffel engagiert sich sehr in der Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Schuh- und Lederwarenindustrie, also bei Cads e.V. - Warum?

Cads hat wesentlich dazu beigetragen, transparente Standards für Nachhaltigkeit zu entwickeln – ein Thema, das uns als Lederwarenhersteller seit langem begleitet. Die Unternehmen hinter cads e.V. gehen weltweit voran, wenn es darum geht, die Schuh- und Lederwarenproduktion positiv zu verändern. Darüber müssen wir aber auch hörbar sprechen. Daher lese ich mit großer Begeisterung, dass auf dem Weltklimagipfel in Glasgow darüber gesprochen wurde, was für ein toller, nachhaltiger Werkstoff Leder ist.

Was wird bei Braun Büffel gemacht, um umweltfreundlich zu produzieren?

Wir nutzen bereits seit über 8 Jahren eigen produzierten Solarstrom.

In der Produktion setzen wir mehr und mehr nachhaltige Materialien auch im Zubehörbereich ein. Zum Einsatz kommen beispielswiese nachhaltige Baumwolle und Materialien aus recyceltem Meeresplastik. Wir verwenden hauptsächlich vegetabil gegerbte Leder. Beim Rechnungsversand sparen wir Papier, da zukünftig alles digital erfolgt.

Die Corona-Pandemie hat viele Schuh- und Lederwarenhersteller hart getroffen. Hat Corona auch zu einem Rückgang der Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit in der Industrie geführt?

Nein. Die Pandemie hat aus meiner Sicht zu einer Rückbesinnung auf das Wesentliche geführt. Das Thema Regionalität steht plötzlich anders im Fokus. Und man merkt, dass sich die Kunden mehr mit den Werten des Unternehmens auseinandersetzen. Wir sind seit 135 Jahren dem Standort Deutschland treu geblieben und pflegen unsere Manufakturtradition neben den Produktionspartnern im Ausland– auch das ist nachhaltig.

Nachhaltige Materialien sind aber auch teurer und die Frage ist, ob der Konsument bei allem Reden über Nachhaltigkeit künftig auch bereit ist, dafür mehr zu bezahlen?

Was bedeutet Nachhaltigkeit für eine Ledermanufaktur?

Leder ist ein Nebenprodukt der Fleischindustrie. Die Kuh oder das Rind wird nicht geschlachtet, damit wir Geldbörsen oder Taschen daraus machen. Das Tier wird komplett verwertet. Das ist ein fundamentaler Unterschied zur Pelzherstellung – bei der das Tier nur für den Pelz gezüchtet wird. Echtes Leder ist in Punkto Langlebigkeit Kunststoffleder weit überlegen. Ich finde es gut, wie mittlerweile die Diskussion über vermeintlich umweltfreundliches „veganes Leder“ in Gang kommt.

Welchen Stellenwert hat Transparenz in der Wertschöpfungskette für den Kunden und wie weit sollte sie reichen?

Der Verbraucher will wissen, wo das Leder herkommt. Deshalb haben wir einen Blog „Die Welt des Leders“ ins Leben gerufen, um über das Thema zu informieren. Unsere Lieferanten sind alle zertifiziert. Außerdem haben wir ein Pilotprojekt mit Albbüffeln, bei dem das Leder bis zum Tier auf der Weide zurückverfolgt werden kann. Allerdings sind solche Projekte in der Industrie momentan noch überschaubar. Angesichts des weltweiten Fleischkonsums ist die Herausforderung groß. Aber es gilt: Besser unvollkommen begonnen als nichts gemacht.

Mit welchen Vorurteilen ist man als Lederwarenhersteller konfrontiert? Was sollten die Deutschen unbedingt wissen?

Ich bin mit Leder groß geworden. Für mich ist das ein tolles Material. Ich bin erstaunt, was die Menschen für Vorurteile haben. Klar, viele haben Bilder im Kopf, die in manchen Reportagen gezeigt werden, die aber mit der Produktion bei uns oder den anderen Unternehmen hinter cads nichts zu tun haben. Weltweit ist es wichtig, dass auch an indische und chinesische Unternehmen Anforderungen für eine nachhaltige und faire Produktion gestellt werden. Das sollte nicht allein durch das europäische Lieferkettengesetz durchgesetzt werden, sondern auch mit nationalen Regelungen in den Produktionsländern.