Nach der Wahl: Rückenwind für mehr Nachhaltigkeit bei Schuhen und Lederwaren?

Ein Interview mit Michael Tackenberg

Was bedeutet die Bundestagwahl vom 26. September für Nachhaltigkeit in der Schuh- und Lederwarenindustrie? Drei Fragen an den cads Vorsitzenden Michael Tackenberg über die Herausforderungen der nächsten Bundesregierung:

1. Die nächste Bundesregierung wird sich stark dem Thema Nachhaltigkeit widmen, wie könnte Rückenwind für die Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Schuh- und Lederwarenindustrie aussehen?

Beim Thema Rückenwind denke ich vor allem an das komplizierte Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Wir fordern eine klare, präzise und praxisgerechte Ausgestaltung dieses Gesetzes. Die Anforderungen sollten die besonderen Gegebenheiten unserer Branche berücksichtigen. Und nicht nur das. Wir hoffen, dass unsere Brancheninitiative cads endlich entsprechende Anerkennung erfahren wird. Wünschenswert wäre außerdem eine personelle und finanzielle Unterstützung dieser für die Branche so wichtigen Initiative. Was in jedem Fall vermieden werden muss, ist noch mehr Bürokratie!

2. Welche politische Entscheidung hat in den letzten Jahren in Hinblick auf Nachhaltigkeit in der Schuh- und Lederwarenindustrie am meisten bewirkt?

Nicht nur für unsere Branche ist eine mittel- bis langfristige Planungssicherheit von großer Bedeutung. Deshalb begrüßen wir die Festlegung langfristiger Klimaziele. Sie verleiht allen Branchenteilnehmern einen entsprechenden Planungshorizont. Das Gleiche gilt für die Prüfung und das Monitoring bestimmter Stoffe und Materialien. Die klare Gesetzgebung hilft den Unternehmen ihre Produktion nach diesen Anforderungen auszurichten.

3. Was würden Sie sich wünschen, was sollte jeder Politiker über die deutschen Schuh- und Lederwarenhersteller wissen?

Man kann gar nicht oft genug betonen, dass die deutschen Hersteller von Schuhen, Taschen und Koffern weltweit führend sind, was soziale Standards und Arbeitsbedingungen angeht. Die Politiker sollten darüber hinaus wissen, dass diese Unternehmen und ihre Produkte besonderen Wert auf die Vermeidung von Schadstoffen legen und nach strengeren Standards als den gesetzlich vorgeschriebenen produzieren. Auch in puncto Umweltschutz gehen die deutschen Hersteller seit Jahrzehnten mit bestem Beispiel voran. Bereits vor über zehn Jahren haben die Hersteller eine eigene Initiative mit dem Namen cads gegründet. Diese Initiative wird allein von den Unternehmen finanziell und personell getragen.