Mehr Fake als Fakten: Die SWR-Reportage „dreckiges Leder“ im Check

Nachhaltigkeit ist in der Berichterstattung über die internationalen Schuh- und Lederwarenherstellung ein wichtiges Thema. Immer wieder berichten Journalisten über schlimme Bilder aus Indien und anderen asiatischen Ländern und prangern die Produktionsbedingungen an. Doch sind es wirklich die deutschen Hersteller, die hier zu recht am Pranger stehen?

Tatsächlich sind es mittelständisch geprägten Unternehmen für Schuh- & Lederwaren aus Deutschland die weltweit vorangehen, wenn es um bessere Standards bei den Arbeitsbedingungen, den verwendeten Chemikalien und umweltfreundlichen Produktionsbedingungen geht. Im Verein cads haben sich 80 von Ihnen zusammengeschlossen, um ein Signal zu setzen, dass die viel gesendeten Bilder aus Indien nichts sind, mit dem wir uns abfinden können und wollen – vorausgesetzt, die Verbraucher ziehen mit.

Die cads-Mitglieder haben sich auf einen Code verpflichtet, der nicht nur Kinderarbeit untersagt, sondern auch den Einsatz gesundheitsgefährdender Chemikalien und Verfahren, aus denen Chrom VI entstehen kann.

Doch nichts davon taucht in der aktuellen Reportage von Christian Jentzsch vom 18.9. für den SWR auf. Wir haben seinen Beitrag mit dem reißerischen Titel „dreckiges Leder“ einem Check unterzogen:

Vorwurf: Die deutsche Schuhindustrie lässt unter dem Einsatz von Chrom-VI gegerbten und mit krebserregenden AZO-Farbstoffen behandeltem Leder produzieren.

Dieser pauschale Vorwurf ist falsch. Tatsächlich ist die Vermeidung von gefährlichen Substanzen ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit von cads und seinen Mitgliedern.

Der cads-Leitfaden zur Lederherstellung dient als Richtschnur für eine Gerbung ohne, dass Chrom entsteht und stellt dieses Know-How Gerbern weltweit in fünf verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Gleiches gilt für das RSL-Verzeichnis eingeschränkt nutzbarer Substanzen, eine Checkliste für gefährliche Chemikalien.

Vorwurf: „Sollten Standards nicht auch für deutsche Hersteller gelten?“

Die Reportage suggeriert, dass die deutschen Hersteller sich keinen Standards in der Herstellung von Schuhen und Lederwaren unterwerfen würden. Dabei gilt für cads-Mitglieder das Gegenteil. Die von cads definierten Standards gehen teilweise sogar über die gesetzlich geforderten hinaus. Der umfangreiche Verhaltenskodex der Mitglieder umfasst neun Bereiche, die für die Unternehmen gelten:

  1. Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen
  2. Erwerbstätigkeit, Verbot von Zwangsarbeit, Vertragssklaverei, Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft und Gefängnisarbeit
  3. Verbot von Diskriminierung, Belästigung und Misshandlung
  4. Ethisches Wirtschaften
  5. Verbot von Kinderarbeit und Schutz jugendlicher Arbeitnehmer
  6. Fairer Lohn und Sozialleistungen
  7. Faire Arbeitszeit
  8. Maßnahmen zur Gesundheit und Sicherheit
  9. Umweltschutz

Vorwurf: Wie können Schuhe so günstig sein? Keine Transparenz über die Herkunft und Herstellung beim Schuhkauf.

Wie bei fast jedem Produkt ist die Qualität auch eine Frage des Preises. Das gilt selbstverständlich auch bei Schuhen und Lederwaren. Viele deutsche Hersteller machen transparent, wo und wie sie ihre Schuhe herstellen – und nicht wenige davon produzieren komplett in Europa. Manche machen sogar eine Rückverfolgung der Materialien bis zum Tier möglich.

Mehr Beispiele finden Sie hier: #Gehmit nachhaltig und fair produzierten Schuhen

Fazit: Reportage fehlt differenzierter Blickwinkel

Die Reportage rückt das wichtige Thema der Umwelt-, Arbeits- und Lebensumstände in Teilen der Zuliefererländer der Schuh- und Lederwarenhersteller in den Fokus. Schade allerdings, dass ausgerechnet die Hersteller, die heute schon nachhaltig produzieren, mit keinem Wort erwähnt werden.